„Ich habe einfach die logischen Züge gespielt“

Ein Gespräch mit Alireza Firouzja nach seinem schnellen Sieg über Ding Liren

Nach seinem schnellen Schwarzsieg über Ding Liren steht Alireza Firouzja mit mehr als einem Bein im „kleinen Finale“ um den fünften Platz. Druck empfindet der 20-Jährige deswegen nicht. Firouzja hat Spaß. Im Gespräch mit Peter Doggers sagt Firouzja, dass er sich auf alles Weitere freut. Er hofft, „noch ein paar gute Partien zu spielen“.

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Alireza Firouzja. Photo: Lennart Ootes

Alireza, Du hast eine Partie in weniger als zwei Stunden gewonnen, weil Ding bereits in der Eröffnung eine Figur abhanden gekommen ist. Wie konnte das passieren?

Ja, natürlich ist er in diesem Turnier nicht in guter Form. Dieser Patzer ist sehr offensichtlich. Es zeigt einfach, dass er nicht in Bestform ist.

Wie schwierig war die heutige Stellung?

Ich habe nicht so viel darüber nachgedacht. Ich habe einfach die logischen Züge gespielt, aber ich denke, dass Schwarz eine komfortable Stellung hat, wahrscheinlich mehr als an anderen Tagen.

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Die heutige Grundstellung (links) und Ding Lirens Springer auf h5, der nach 6…Nge7! verloren war.

Für mich fühlte es sich so an, als käme sie dem klassischen Schach am nächsten. Siehst du das auch so?

Ja, sicher, aber unsere Partie heute war dem klassischen Schach nicht so nahe! Im klassischen Schach ist es sehr schwer, im dritten oder vierten Zug einen Fehler zu machen.

Glaubst du, dass es an seiner schlechten Form lag, oder lag es auch daran, dass dieses Spiel einfach sehr schwierig ist?

Nein, es liegt einfach daran, dass er nicht in einer guten Form ist. An einem guten Tag würde er sicher nicht so einen Fehler machen.

Gestern, gegen Magnus. Ich glaube, die Schlüsselpartie war das lange Endspiel mit Läufer gegen Springer, das du nicht halten konntest. Wie schwierig war dieses Endspiel zu spielen?

Ich habe im Endspiel davor fälschlicherweise auf Gewinn gespielt. Ich hätte einfach die Bremse treten und Remis machen sollen, das war ein Fehler in Zeitnot. Ich dachte, ich hätte gute Chancen, aber ich habe seinen Bauernvorstoß unterschätzt. Danach ist es sehr schwierig, das Remis zu halten. Ich habe es ein bisschen analysiert; ich muss einige kritische Züge machen.

Und ich vermute, dass es nach dieser Niederlage im Endspiel sehr schwierig war, eine weitere Partie zu spielen.

Ja, besonders in 960 muss man immer symmetrisch spielen, besonders in der Stellung, die wir bekamen, sollte ich als Schwarzer einfach symmetrisch spielen, sonst stehe ich viel schlechter. Es gab nicht viel Kreativität, die ich zeigen konnte.

Du kämpfst jetzt um den fünften Platz. Wie fühlst du dich für die kommenden Tage?

Es macht auf jeden Fall Spaß, natürlich ohne Druck. Ich bin nur hier, um Spaß zu haben und noch ein paar gute Partien zu spielen.

Du hast zum Beispiel in St. Louis und online schon ein bisschen Chess960 Inwieweit kannst Du diese Erfahrung in diesem Turnier nutzen?

Ja, ich denke, es hat ein bisschen geholfen, denn St. Louis ist erst ein Jahr her. Wir haben 10, 11 Partien gespielt, das hat geholfen, aber es ist immer anders. Ich mag 960 sehr, weil man vom ersten Zug an denkt und vor dem Spiel nicht so viel Energie für die Vorbereitung aufwenden muss. Es gefällt mir also sehr gut.

Es ist das erste Mal, dass dieses Turnier organisiert wird. Wie fühlt es sich für dich in Weissenhaus an?

Mir gefällt es sehr gut, alles ist sehr professionell. Mir gefallen die separaten Räume, die wir im Spielsaal haben, sehr gut, so dass man eine Zeit lang seine Ruhe haben kann, und ja, das Hotel ist auch toll. Hier ist alles Spitzenklasse.

Peter Doggers

Von Peter Doggers

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