Pressekonferenz vor der Eröffnung

„Wir betreten Neuland“

Jan Henric Buettner, Magnus Carlsen und Vincent Keymer sehen Herausforderungen

„Wolltest du nicht kürzer treten und nur ein bisschen Schach lernen?“ Die Frage, die Holly Buettner unlängst ihrem Mann Jan Henric stellte, war eine rhetorische. Sie kennt die Eigenart ihres Gatten, die er am Freitag in der Eröffnungspressekonferenz der WEISSENHAUS Freestyle Chess G.O.A.T. Challenge selbst beschrieb: „Wenn ich mit etwas anfange, dann eskaliert das oft.“

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Vor einigen Monaten hat Jan Henric Buettner mit Schach angefangen. Jetzt sollen Millionen Menschen Zeugen der Eskalation werden, ganz gezielt auch solche, die mit Schach bislang nicht viel anzufangen wussten. „Zugänglicher“ soll Schach werden, greifbarer, farbiger, emotionaler. Die Persönlichkeiten derjenigen, die es meisterhaft spielen, sollen mehr im Mittelpunkt stehen als bislang. „Wir wollen etwas ganz Neues erschaffen“, sagt Buettner.

Mitveranstalter Magnus Carlsen, Nummer eins der Welt, und der deutsche Supergroßmeister Vincent Keymer finden das aufregend, erklären sie unisono. „Wir betreten Neuland“, sagt Carlsen.

Selbst die Weltbesten wissen nicht, was sie am Brett erwartet. Gespielt wird Schach960, genauer: 959, denn eine Stellung wird in der Schacharena in den Big Barn Studios gewiss nicht auftauchen – die tief erforschte Grundstellung des traditionellen Schachs mit den Türmen in der Ecke und König und Dame in der Mitte.

Stattdessen 959 andere, unerforschte. Carlsen, Keymer&Co. navigieren von Beginn an durch unbekannte Gewässer. Sie laufen Gefahr, schon in der Eröffnung Schiffbruch zu erleiden.

Und das nicht nur auf dem Brett, auch auf der Uhr. Obwohl an der Ostsee zum ersten Mal Schach960 mit langer, klassischer Bedenkzeit gespielt wird, rechnen die Großmeister mit Zeitnotschlachten. 90 Minuten Bedenkzeit für die ersten 40 Züge können schnell ablaufen, wenn es gilt, vom ersten Zug an gedankliche Pionierarbeit zu leisten, anstatt auf bekannte Varianten und Muster zurückzugreifen.

„Sadistisch“ sei die Regelung, ohne sogenanntes Increment zu spielen, ohne Zeitzuschlag pro Zug, erklärte Magnus Carlsen lachend. Gutes Zeitmanagement werde entscheidend sein. „Ich finde das genau richtig.“

Die Herausforderung für die Ausrichter: Ein Spiel, das selbst die Allerbesten als Herausforderung sehen, soll täglich ab 13 Uhr MEZ auch für Anfänger und Amateure zugänglich sein. „Alle Aspekte des Spiels medial verwerten“ wollen Buettner und sein Team.

Das beginnt bei der Auslosung der Grundstellung zehn Minuten vor Partiebeginn und setzt sich fort, wenn Weiß- und Schwarzspieler in Vierergruppen diese Stellung debattieren. Mikrofone werden einfangen, was die Supergroßmeister ausklügeln. Auch während der Partien werden die Spieler greifbar sein. Ihnen stehen schalldichte Kabinen zur Verfügung, in denen sie das Publikum an ihren Gedanken und Emotionen teilhaben lassen können.

Von Conrad Schormann

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